Was ist Voltigieren?


Beim Voltigieren werden turnerische-akrobatische Übungen auf einem Pferd ausgeführt. Dabei muss sich der Voltigierer dem Rhythmus und den Bewegungen des Pferdes anpassen. Gleichzeitig wird Gleichgewicht, Koordination, Beweglichkeit, Sprung- und Stützkraft, sowie Körperspannung und Körperhaltung des Voltigieres trainiert und geschult. Neben den körperlichen Ansprüchen werden auch das Sozialverhalten in einer Gruppe und der Umgang mit Pferden gefördert. Der Voltigiersport wird in verschiedene Leistungsklassen und in Einzel-, Doppel- und Gruppenvoltigieren unterteilt.

Die einzelnen Übungen können zusätzlich in Pflicht- und Kürübungen, sowie in statische und dynamische Übungen unterteilt werden. Pflichtübungen sind für den Wettkampf  vorgeschriebene Übungen mit fester Reihenfolge, Kürübungen können hingegen frei erfunden und gestaltet werden, es können sowohl Einzel-, Zweier- und Dreierübungen aus allen Strukturgruppen verwendet werden. Statische Übungen werden über einen gewissen Zeitpunkt ruhig gehalten, wobei sich der Körperschwerpunkt nicht verändert, bei dynamischen Übungen wird der Körperschwerpunkt die Haltung sowie die Position verändert, der Voltigierer befindet sich also in Bewegung. 

Um gut voltigieren zu können, wird das Voltigierpferd von einem Longenführer in einem Zirkel mit ca. 15 m Durchmesser longiert.

Die Wurzeln des Voltigierens kann man in fast allen Kulturen finden in denen die Menschen das Pferd als Fortbewegungsmittel nutzten, um zu jagen oder Herden zu treiben. Somit zählt das Voltigieren zu einer der ältesten Sportarten. Ziel war es damals besser jagen zu können und im Kampf den Gegner zu täuschen, sich zu schützen und einen Vorteil zu erlagen. Dazu übte man das schnelle und sichere auf- und abspringen und das aufheben von Gegenständen ohne das Pferd zu verlassen oder anzuhalten.

In der Zeit der Renaissance entstand dann das eigentliche Voltigieren, bei dem Einzel- und Partnerübungen auf dem stehenden und dem sich bewegenden Pferd geturnt wurden. Auch damals wurde schon großen Wert auf ästhetische Aspekte, Leichtigkeit und Anmut gelegt. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Voltigieren dann zu einem Unterrichtsfach an der Ritterakademie und der erste Voltigiergurt wurde entwickelt. Im 19. Jahrhundert war es dann auch fester Bestandteil der Kavallerieausbildung. 1920 gab es Voltigieren das erste und das einzige mal bei den Olympischen Spielen unter dem Namen " Kunstreiten". 1963 fand die erste Deutsche Meisterschaft im Gruppenvoltigieren statt und 1974 wurden die Deutschen Voltigierabzeichen eingeführt. 

 

 

 

 

 

Quelle: Rieder, Ulrike; Reinhardt, Anja (2008). In: Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. -Bereich Sport- Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht (Hrsg.). Richtlinien 3 für Reiten Fahren und Voltigieren. Voltigieren. 4. Auflage. Warendorf. FNverlag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung GmbH.